Der Künstler
Alain Mathiot
Maler der ursprünglichen Gestalten und Zeichen, lebt und arbeitet Alain Mathiot in Hugier, Haute-Saône. Sein vor mehr als sechzig Jahren begonnenes Werk wurde von Paris bis New York gezeigt.
Der Werdegang
Geboren 1938, wurde Alain Mathiot sehr früh bemerkt: 1961 würdigte ihn der erste Fénéon-Preis, eine von der Universität Paris an junge Künstler vergebene Auszeichnung. Bereits 1963 widmete ihm die Pariser Galerie Kriegel eine Ausstellung, die erste einer langen Reihe.
Es folgten vier Jahrzehnte regelmäßiger Ausstellungen: die Pariser Galerien Kriegel, Mouton, Lucien Durand und später Krief; Lyon mit den Galerien l’Ollave und Vannoni; die Schweiz in Nyon; die Museen von Vesoul und Héricourt; schließlich New York, wo RVS Fine Art in Southampton 1990 seine Arbeit zeigte. 1992 stellte ihn die Galerie Krief auf der FIAC in Paris aus.
Fern der Moden verfolgt Mathiot eine beharrliche Suche: Gestalten hervortreten zu lassen — Menschen, Tiere, Gegenstände —, auf ihre wesentlichen Massen reduziert und von Zeichen begleitet, zwischen Kindheitserinnerung und kollektivem Gedächtnis.
Heute arbeitet er in seinem Atelier in Hugier in Serien — die Mauern, die weißen Gründe, die Esel —, in denen Öl, Filzstift und Pastell auf Papier wie auf Leinwand miteinander sprechen. Die Malerei bleibt, was sie bei ihm immer war: eine Schrift von vor den Alphabeten.
Stimmen der Kritik
Alain Mathiot ist der Primitivismen aller Art nicht unkundig; er ist neugierig auf sie, er pflegt sogar sein Wissen darüber, um es im Augenblick des Schaffens anzustacheln. Doch wo andere sich mühten, nichts von deren Symbolgehalt zu verlieren, um mit den Wirkungen eines archaischen Gedächtnisses zu spielen, scheint Mathiot eine Haltung gegen den Strom einzunehmen. Er sucht seinen Gegenstand vom Ort seiner Quelle zu lösen, um ihn uns an der Schwelle einer größeren Geschichte zu zeigen. Seine Figuren selbst sind darüber ganz verblüfft; überrascht von diesem Abschweifen, starren sie uns durch ihre Masken hindurch an, wie man etwas noch nie Dagewesenes entdeckt — und der Betrachter findet sich in der Lage des Betrachteten wieder. Sollten wir ihr Geheimnis doch durchdringen, verfügt Mathiot über ein unfehlbares Mittel: das der Verunklärung. Er ertränkt unseren Blick im Unentwirrbaren eines Bildes, in dem alles kippt; wir wissen nicht mehr, wohin wir uns wenden sollen, und bleiben, wie in jenen unvergesslichen Sequenzen aus Hellzapoppin, verblüfft zurück. Was hat dieser Rinderkopf hier zu suchen? Was ist das für eine Hundesilhouette? Wem winkt diese seltsame Gestalt? Die Verwirrung der Werte versetzt den Betrachter hier in einen Zustand der Unschuld, aus dem er den Umgang mit dieser Malerei nicht unversehrt verlässt. Sie zwingt zum Abrüsten, weil sie außerhalb der Reichweite des Schädlichen wirkt — wiederholen wir es, diese Malerei ist un/schuldig im ersten Wortsinn — und weil sie keine andere Absicht hat, als den Geist einzuladen, abseits der gewohnten Furchen zu wandern.
Philippe Piguet, Hors des sillons, 1989
Inmitten der Bilder, unter den Bildern, in den Bildern erscheinen die Landschaften der Malerei mit ihrem Gefolge dunkler und warmer Farben, die Motive hebend und verklärend, als ließe die Thematik die Malerei stärker hervortreten und als gewänne die Malerei eine weitere Macht durch das Geflecht der Figuren, die das ganze Bild bevölkern. Die Gestalten, Mensch oder Tier, die in die Bilder einfallen — von Ritualen, Festen, Indianern und Filmcowboys bis zu den sinnbildlichen Figuren von heute —, werden schematisch und vereinfacht zu beinahe symbolischen Formen, begleitet von Zeichen. Mathiot entfernt sich von der anekdotischen Figuration wie von der Illustration, auf der Suche nach dem Gebiet der Vision. Er lässt eine verschüttete Welt der Kindheit und der Märchen wieder auftauchen, eine Welt, in der die Bilder lebendig und sprechend sind, als würde der Maler zum Medium des kollektiven Gedächtnisses, zum Rutengänger grundlegender Bilder und deren Hüter, und spräche mit der Malerei die Sprache der Symbole, Türen öffnend, Rufe, Zeichen, Gesten und Schreie aussendend. Besonders die großen Indianer in ihrer tragischen Pracht, mit ihren Pferden und ihren Hunden, übermitteln ein Wort einsamen Widerstands und der Befreiung der Seele. Diese Gestalten erreichen heute eine eigentümliche mythische Kraft, fern jeder Referenz, als stiegen sie aus einem Anderswo auf, hieratisch, würdevoll und gelassen. Die Malerei erlangt ihr Recht zurück: Sie verklärt und erhöht die symbolische Gestalt, die zur wilden Ikone wird, zum totemhaften Sinnbild. Primitive Malerei, erste Malerei, archetypische Malerei. Mathiots Bilder sind von einer dunklen Größe durchdrungen — eine Art sichtbares Gedicht, ein malerisches Wort, in dem ein Maler, ein Mensch, schlicht zu sagen versucht: „Werde König deines Königreichs und begegne deinen Königsbrüdern, fern vom eitlen Lärm des falschen Ruhms.“
Michel Giroud, Les Figures de la Peinture, 1989
Eckdaten
- 1938
Geburt von Alain Mathiot.
- 1961
Erster Fénéon-Preis, verliehen von der Universität Paris.
- 1963
Erste Ausstellung in der Galerie Kriegel, Paris.
- 1990
Ausstellung bei RVS Fine Art, Southampton, New York.
- 1992
FIAC Paris, mit der Galerie Krief.
- 2025
Ausstellung in der Rue du Capitaine Faure, Besançon.
- 2026
Er malt weiterhin in seinem Atelier in Hugier, Haute-Saône.
Das Werk entdecken
Gemälde auf Leinwand und Arbeiten auf Papier, von 1978 bis heute: Die Galerie der Website versammelt eine repräsentative Auswahl seines Schaffens. Mehrere Stücke sind erhältlich, und der Künstler beantwortet jede Anfrage persönlich.